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Kategorie-Archiv: Armut

Hamburg. Wer eine Studienarbeit zum Thema “Social Business” schreiben will, droht bei der Literatursuche schnell zu verzweifeln. Noch gibt es wenig wissenschaftliche Literatur zu dem Thema. Und da wir alle wenig Zeit haben und die gleiche Arbeit nicht ständig wiederholt werden muss, hier für alle “Social Business”-Forscher die komplette Literaturliste aus meiner Doktorarbeit zum Thema “Poverty Reduction through Social Business? Lessons Learnt from Grameen Joint Ventures in Bangladesh”. (-:

20110826 Literaturverzeichnis Social Business Buch (Kerstin Humberg)

Baden-Baden. Sinn statt Gewinn – Führt “Social Business” zu einer gerechten Welt? Ist Social Business die bessere Entwicklungshilfe? Gar die Wirtschaftsform der Zukunft? Das waren die zentralen Fragen, die der SWR-Moderator Gábor Paál Mitte April mit Peter Spiegel, dem Geschäftsführer des Berliner Genisis-Institutes, Prof. Helmut K. Anheier von der Hertie School of Governance und mir diskutiert hat. Wer das SWR2-Forum am 20.04.2011 verpasst hat, kann sich die Diskussion hier herunterladen. Am 14. Mai wird es dann von 20 bis 22 Uhr im SWR 1 (Sendung “Weitwinkel”) eine Fortsetzung der Diskussion zum Thema Armutsbekämpfung in Bangladesch geben.

Hamburg. Erst die Selbstmordwelle armer Mikrokreditnehmer in Indien (Zeit Online: Selbstmord einer großen Idee), dann ein Film über den angeblichen Mißbrauch von Entwicklungshilfe aus Norwegen. Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus steht am Pranger. Zu unrecht, wie ich finde. Wer schon mal bei der Grameen Bank in Bangladesch war weiß, dass das Yunus’sche Modell wenig mit den Praktiken indischer Geldverleiher zu tun hat. Die einzige Gemeinsamkeit ist oft die, dass es um die Vergabe kleiner Geldmengen an arme Leute geht. Doch während das erklärte Ziel der Grameen Bank die Armutsbekämpfung ist (weshalb auch das gemeinsame Sparen und Coaching von Mikrokreditnehmern Teil des Programms ist), geht es “for profit”-Anbietern wie SKS Microfinance in Indien darum Geld aus dem Geschäft mit den Armen zu schlagen (Manager Magazin: Mikrokreditfinanzierer geht an die Börse).

Zu den jüngsten Auswüchsen in Indien haben sich in der vergangenen Woche Korruptionsvorwürfe gesellt (BBC News: Grameen Founder Muhammad Yunus in Bangladesh Aid Probe). Ein TV-Journalist aus Norwegen bezichtigt Yunus Entwicklungshilfe mißbraucht zu haben. Inzwischen sind diese Vorwürfe laut BBC News (Grameen: Norway Gives All-Clear to Bangladesh Bank) aus dem Weg geräumt worden. Unterdessen monieren Tom Heinemann’s Interviewpartner bereits die einseitige Darstellung ihrer Aussagen in der Mikrokredit-Dokumentation (David Roodman’s Microfinance Open Book Blog). Einen guten (weil neutralen) Hintergrundbericht dazu hat jetzt Haznain Kazim geliefert (Spiegel Online: Volksheld in Bedrängnis). Kazim legt eine Objektivität an den Tag, die vielen Journalisten (die Yunus sonst zum Helden hochstilisieren) in diesen Tagen meines Erachtens leider fehlt. (kmh)

Berlin. Mit seinen Mikrokrediten für Arme hat der Wirtschaftsprofessor Muhammad Yunus das Bankgeschäft revolutioniert. 2006 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Seitdem macht der Banker aus Bangladesch Geschäfte mit multinationalen Unternehmen wie Danone, Veolia oder BASF und nennt es “Social Business”. Was genau verbirgt sich hinter diesem neuen Unternehmenstypus und Yunus’ Vision Armut ins Museum der menschlichen Geschichte zu verbannen? Wann sind Unternehmen eigentlich sozial – und welche Rolle spielen “Social Entrepreneurs” in der Bewältigung globaler Herausforderungen?

Mit diesen Fragen werden sich Ende Oktober (28.-31.10.2010) rund 30 Stipendiaten und Alumni des Cusanuswerks bei einer wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Tagung in Berlin auseinandersetzen. Ziel der dreitägigen Veranstaltung ist die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle von Unternehmen und “Social Entrepreneurs” in der Gesellschaft. Der Fokus soll dabei auf den Chancen, Risiken und Grenzen des “Social Business”-Ansatzes liegen. Ausgehend von der theoretisch-konzeptionellen Auseinandersetzung mit diesem neuen Phänomen wollen sich die Stipendiaten intensiv mit Praxisbeispielen aus Deutschland (z.B. teach first, Dialog im Dunkeln) sowie verschiedenen Entwicklungs- und Schwellenländern befassen (z.B. Grameen Danone Foods Ltd. und Grameen Veolia Water Ltd. in Bangladesch, Allianz Micro Insurance in Indien).

Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) soll darüber hinaus untersucht werden, wie sich die Katholische Soziallehre zu Phänomen “Social Business” verhält. Wie denkt der Papst über “Social Business”? Und bräuchte ein Land wie Deutschland diesen Unternehmenstyp überhaupt, wenn die Idee der sozialen Marktwirtschaft in vollem Umfang gelebt würde?

Dhaka / Hamburg. "Social Business" kann Armut reduzieren. Das hat unsere fünfmonatige Feldforschung in Bangladesch gezeigt. Mit dabei im Forschungsteam: Die Anthropologin Tajmary Akter und der Mathematiker Sk. Tanzer Ahmed Siddique aus Bangladesch. Wer mehr über meine Doktorarbeit in Wirtschaftsgeographie zum Thema "Poverty Reduction through Social Business – Lessons Learnt from Bangladesh" erfahren will, kann mal einen Blick auf die folgende Website werfen… "ClearlySo Germany" (Interview geposted am 14. Mai 2010). Ohnehin eine tolle Adresse für jeden, der sich für "Social Business" interessiert!

Hamburg. Für Tobias Lorenz ist Glovico.org "die innovative Antwort auf Massenarmut in Entwicklungsländern und den mangelnden Dialog zwischen den Kulturen". Tatsächlich kombiniert das von Lorenz neu gegründete "Social Business" Glovico zwei Ziele: Während der 28jährige Doktorand auf Basis technischer Möglichkeiten (Live-Videokonferenz) neue Einkommensmöglichkeiten in Entwicklungsländern schaffen und dabei gleichzeitig den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen befördern möchte, soll sein Unternehmen gleichzeitig profitabel sein.

"Der Business‐Aspekt liegt im Angebot von Individual-Sprachkursen mit ausgebildeten Sprachlehrern aus Entwicklungsländern als Antwort auf die steigende Nachfrage nach günstigen und flexiblen Sprachlernangeboten", so Lorenz. Reich werden, will er mit seinem "Social Business" nicht. Aber Spaß soll die unternehmerische Tätigkeit ihm machen. Und wenn sie dann noch sozialen Mehrwert mit sich bringt, ist die persönliche Zufriedenheit garantiert.  

Mehr über "Glovico" finden Sie hier…

Friedensnobelpreis 2006Dhaka. Mit seinen Mikrokrediten für Arme brachte es Muhammad Yunus zu Weltruhm – und zum Friedensnobelpreis 2006. Der Banker aus Bangladesch im Interview über seine Vision, die bereits in der Praxis angekommen ist: Social Business.

Interview: Kerstin Humberg

HTWN 2009 – Yunus Interview Extract (German Version)

HTWN 2009 – Yunus Interview Extract (English Version)

Dhaka. Noch steht der Begriff „Social Business“ in keinem Wirtschaftslexikon – und Gnade dem, der dieses amorphe Etwas definieren soll. Wer bestimmt eigentlich, was in der Wirtschaft sozial ist? „Sozial ist, was Arbeit schafft“, propagiert Kanzlerin Merkel. Muhammad Yunus pocht auf die Gemeinnützigkeit und sagt: „Social Business? It‘s not for me. It‘s for others!“ Und was sagt der Papst? Der glaubt, dass die Wirtschaft nach moralischen Gesichtspunkten organisiert werden müsse. Klingt einleuchtend, aber wer garantiert uns die Moral?

In Deutschland wird "Social Business" oft mit Yunus‘ Vision vom sozial motivierten Unternehmen (das profitabel wirtschaftet, aber keine Dividenden ausschüttet) in Verbindung gebracht. Trotzdem bleibt der Begriff interpretationsbedürftig. Was ich persönlich als sozial empfinde, müssen Menschen in einem Land wie Bangladesch noch längst nicht sozial finden. Was als sozial gilt, ist normen- und kontextabhängig. Genaugenommen ist auch Yunus flexibel in seiner Definition von "Social Business". Während er auf der einen Seite Dividendenverzicht fordert, erlaubt er mit Blick auf seine „Grameen Bank“ eine Ausnahme: Wenn sich Unternehmen im Besitz von Armen befinden, sind Profitorientierung und Dividenden seiner Ansicht nach okay.

So scheiden sich die Geister an der Frage der Dividenden. Aus Praxissicht geht diese Debatte jedoch am Ziel vorbei. Schließlich sind Unternehmen, die auf Dividenden verzichten, nicht automatisch sozialer als profitorientierte Unternehmen. Gute Intentionen produzieren noch lange keine positiven Ergebnisse. Wie sozial ein Unternehmen tatsächlich ist, sollte deshalb auch weniger an der Mission oder Dividendenpolitik, sondern an den Ergebnissen gemessen werden. Wie viele Leben hat ein Unternehmen nachhaltig verbessert?

Und was ist die Moral von der Geschicht’? Yunus’ Ansatz ist vor allem ein Plädoyer für die effiziente Nutzung philanthropischer Ressourcen – ein Anstoß zur Lösung gesellschaftlicher Probleme durch unternehmerisches Denken und Handeln. Letztlich geht es um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die einen Mehrwert für diejenigen schaffen, die bislang von den Märkten ausgeschlossen sind.

Source: kmh (Kommentar in der aktuellen Ausgabe von Enorm – Wirtschaft für den Menschen)

Herzogenaurach. "Bald muss niemand mehr barfuß laufen", hat der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch beim diesjährigen Vision Summit in Berlin verkündet. Zu verdanken sei dies einer Schuhfabrik aus Franken. Adidas bringe im kommenden Jahr "Turnschuhe für weniger als einen Euro heraus". Für gewöhnlich kosten schon die Schnürsenkel mehr.

Damit ist Adidas neben BASF und Otto das dritte deutsche Unternehmen, das auf "Social Business"-Aktivitäten in Kooperation mit Yunus setzt. Gutes tun und damit neue Märkte erschließen? Warum nicht. Auch wenn ein ähnlicher Versuch vor einigen Jahren gescheitert ist (Nike’s "World Shoe" Projekt), ist die soziale Mission grundsätzlich einleuchtend: Das Schuhwerk soll die Nutzer vor weit verbreiteten Wurminfektionen schützen. Bislang bahnen sich die Würmer ihren Weg durch die bloßen Fußsohlen.

Spannend bleibt allerdings die Frage, ob die Schuhe drei Streifen tragen werden oder nicht. Für Yunus ist die Sache eindeutug: Auf jeden Fall. Die Streifen sind das Symbol der Marke Adidas – und sollen auch für die Käufer in Bangladesch ein Qualitätssiegel sein. Laut Yunus soll der Ein-Euro-Schuh nicht nur über ein Jahr Garantie verfügen, sondern auch recyclingfähig sein.

Adidas hingegen zeigt sich deutlich weniger enthusiastisch. Ob der Schuh tatsächlich nur einen Euro kosten oder etwas teurer sein werde, stehe noch nicht fest, so der Sprecher der Adidas Group, Jan Runau, gegenüber der dpa. Unklar sei auch noch, ob der Schuh tatsächlich die drei Streifen der Marke Adidas tragen oder aber unter einer anderen Marke angeboten werde. Denkbar sei auch, dass man bei dem Projekt auf eine Marke ganz verzichte. Dies alles werde derzeit noch geprüft. "Wir stehen noch ganz am Anfang", so der Firmensprecher.

Quelle: Yunus’ Vortrag beim Vision Summit in Berlin; Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.11.2009, Nr. 46; Handelsblatt, 15.11.2009

Hamburg. Die Hamburger Versandhandelsgruppe Otto und der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus wollen gemeinsam ein Textilunternehmen in Bangladesch errichten. Die "Zukunftsfabrik" soll die Textilien ebenso nachhaltig wie ethisch korrekt produzieren und Löhne entsprechend dem dortigen Mindestlohnniveau von 19 bis 65 Euro im Monat zahlen. Ziel sei die Bekämfung der Armut aus eigener Kraft.

"Die Grameen Otto Textile Company wird zeigen, dass es durchaus möglich ist, ökologische und soziale Kriterien mit ökonomischen Zielen in Einklang zu bringen. Sie soll Vorbild werden für die Textilproduktion in Bangladesch und für ähnliche Fabriken auf der ganzen Welt“, sagte Otto. Für die zweite Phase sei eine Erweiterung der Fabrik geplant. Auf lange Sicht sei eine Expansion in Bangladesch und in weitere Länder denkbar, berichtet die Welt. Dazu weitere Infos hier…

Anders als die bisherigen "Social Business Joint Ventures", die Yunus mit Unternehmen wie Danone, Veolia, Intel oder BASF zur Versorgung der lokalen Bevölkerung mit Nährstoffen, Trinkwasser oder technischen Diensten gegründet hat, wird die "Grameen Otto Textile Company" keine Produkte oder Dienstleistungen für die Armen anbieten. Stattdessen soll die Schaffung von bis zu 700 Arbeitsplätzen zur Armutsbekämpfung beitragen. Auch wenn die neue Otto-Tochter Yunus’ Social Business-Kriterien (soziales Ziel, profitables Geschäftsmodell, keine Dividenden) erfüllen soll, werden die Grenzen zum klassischen "Fair Trade"-Modell damit fließend. Fair Trade 2.0?

Quelle: Welt Online (11.11.2009)

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