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Kategorie-Archiv: Marktbasierte Ansätze

Dhaka / Hamburg. "Social Business" kann Armut reduzieren. Das hat unsere fünfmonatige Feldforschung in Bangladesch gezeigt. Mit dabei im Forschungsteam: Die Anthropologin Tajmary Akter und der Mathematiker Sk. Tanzer Ahmed Siddique aus Bangladesch. Wer mehr über meine Doktorarbeit in Wirtschaftsgeographie zum Thema "Poverty Reduction through Social Business – Lessons Learnt from Bangladesh" erfahren will, kann mal einen Blick auf die folgende Website werfen… "ClearlySo Germany" (Interview geposted am 14. Mai 2010). Ohnehin eine tolle Adresse für jeden, der sich für "Social Business" interessiert!

Hamburg. Für Tobias Lorenz ist Glovico.org "die innovative Antwort auf Massenarmut in Entwicklungsländern und den mangelnden Dialog zwischen den Kulturen". Tatsächlich kombiniert das von Lorenz neu gegründete "Social Business" Glovico zwei Ziele: Während der 28jährige Doktorand auf Basis technischer Möglichkeiten (Live-Videokonferenz) neue Einkommensmöglichkeiten in Entwicklungsländern schaffen und dabei gleichzeitig den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen befördern möchte, soll sein Unternehmen gleichzeitig profitabel sein.

"Der Business‐Aspekt liegt im Angebot von Individual-Sprachkursen mit ausgebildeten Sprachlehrern aus Entwicklungsländern als Antwort auf die steigende Nachfrage nach günstigen und flexiblen Sprachlernangeboten", so Lorenz. Reich werden, will er mit seinem "Social Business" nicht. Aber Spaß soll die unternehmerische Tätigkeit ihm machen. Und wenn sie dann noch sozialen Mehrwert mit sich bringt, ist die persönliche Zufriedenheit garantiert.  

Mehr über "Glovico" finden Sie hier…

Leuven. Investieren statt spenden? Klingt gut. Aber was bringt die Investition in Mikrokreditfonds - und wie lässt sich eine soziale Rendite messen? Ein Jahr lang hat sich Lisa de Bode von der Katholischen Universität Leuven mit diesen Fragen auseinander gesetzt. Ihre spannenden Erkenntnisse hat Lisa jetzt leicht verdaulich im Paper "From Grants to Loans – How Social Credit Scoring Models Could Prevent us From Playing God" zusammen gefasst.

Lisa de Bode 2010 – From Grants to Loans

Dhaka. Noch steht der Begriff „Social Business“ in keinem Wirtschaftslexikon – und Gnade dem, der dieses amorphe Etwas definieren soll. Wer bestimmt eigentlich, was in der Wirtschaft sozial ist? „Sozial ist, was Arbeit schafft“, propagiert Kanzlerin Merkel. Muhammad Yunus pocht auf die Gemeinnützigkeit und sagt: „Social Business? It‘s not for me. It‘s for others!“ Und was sagt der Papst? Der glaubt, dass die Wirtschaft nach moralischen Gesichtspunkten organisiert werden müsse. Klingt einleuchtend, aber wer garantiert uns die Moral?

In Deutschland wird "Social Business" oft mit Yunus‘ Vision vom sozial motivierten Unternehmen (das profitabel wirtschaftet, aber keine Dividenden ausschüttet) in Verbindung gebracht. Trotzdem bleibt der Begriff interpretationsbedürftig. Was ich persönlich als sozial empfinde, müssen Menschen in einem Land wie Bangladesch noch längst nicht sozial finden. Was als sozial gilt, ist normen- und kontextabhängig. Genaugenommen ist auch Yunus flexibel in seiner Definition von "Social Business". Während er auf der einen Seite Dividendenverzicht fordert, erlaubt er mit Blick auf seine „Grameen Bank“ eine Ausnahme: Wenn sich Unternehmen im Besitz von Armen befinden, sind Profitorientierung und Dividenden seiner Ansicht nach okay.

So scheiden sich die Geister an der Frage der Dividenden. Aus Praxissicht geht diese Debatte jedoch am Ziel vorbei. Schließlich sind Unternehmen, die auf Dividenden verzichten, nicht automatisch sozialer als profitorientierte Unternehmen. Gute Intentionen produzieren noch lange keine positiven Ergebnisse. Wie sozial ein Unternehmen tatsächlich ist, sollte deshalb auch weniger an der Mission oder Dividendenpolitik, sondern an den Ergebnissen gemessen werden. Wie viele Leben hat ein Unternehmen nachhaltig verbessert?

Und was ist die Moral von der Geschicht’? Yunus’ Ansatz ist vor allem ein Plädoyer für die effiziente Nutzung philanthropischer Ressourcen – ein Anstoß zur Lösung gesellschaftlicher Probleme durch unternehmerisches Denken und Handeln. Letztlich geht es um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die einen Mehrwert für diejenigen schaffen, die bislang von den Märkten ausgeschlossen sind.

Source: kmh (Kommentar in der aktuellen Ausgabe von Enorm – Wirtschaft für den Menschen)

Herzogenaurach. "Bald muss niemand mehr barfuß laufen", hat der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch beim diesjährigen Vision Summit in Berlin verkündet. Zu verdanken sei dies einer Schuhfabrik aus Franken. Adidas bringe im kommenden Jahr "Turnschuhe für weniger als einen Euro heraus". Für gewöhnlich kosten schon die Schnürsenkel mehr.

Damit ist Adidas neben BASF und Otto das dritte deutsche Unternehmen, das auf "Social Business"-Aktivitäten in Kooperation mit Yunus setzt. Gutes tun und damit neue Märkte erschließen? Warum nicht. Auch wenn ein ähnlicher Versuch vor einigen Jahren gescheitert ist (Nike’s "World Shoe" Projekt), ist die soziale Mission grundsätzlich einleuchtend: Das Schuhwerk soll die Nutzer vor weit verbreiteten Wurminfektionen schützen. Bislang bahnen sich die Würmer ihren Weg durch die bloßen Fußsohlen.

Spannend bleibt allerdings die Frage, ob die Schuhe drei Streifen tragen werden oder nicht. Für Yunus ist die Sache eindeutug: Auf jeden Fall. Die Streifen sind das Symbol der Marke Adidas – und sollen auch für die Käufer in Bangladesch ein Qualitätssiegel sein. Laut Yunus soll der Ein-Euro-Schuh nicht nur über ein Jahr Garantie verfügen, sondern auch recyclingfähig sein.

Adidas hingegen zeigt sich deutlich weniger enthusiastisch. Ob der Schuh tatsächlich nur einen Euro kosten oder etwas teurer sein werde, stehe noch nicht fest, so der Sprecher der Adidas Group, Jan Runau, gegenüber der dpa. Unklar sei auch noch, ob der Schuh tatsächlich die drei Streifen der Marke Adidas tragen oder aber unter einer anderen Marke angeboten werde. Denkbar sei auch, dass man bei dem Projekt auf eine Marke ganz verzichte. Dies alles werde derzeit noch geprüft. "Wir stehen noch ganz am Anfang", so der Firmensprecher.

Quelle: Yunus’ Vortrag beim Vision Summit in Berlin; Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.11.2009, Nr. 46; Handelsblatt, 15.11.2009

Hamburg. Die Hamburger Versandhandelsgruppe Otto und der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus wollen gemeinsam ein Textilunternehmen in Bangladesch errichten. Die "Zukunftsfabrik" soll die Textilien ebenso nachhaltig wie ethisch korrekt produzieren und Löhne entsprechend dem dortigen Mindestlohnniveau von 19 bis 65 Euro im Monat zahlen. Ziel sei die Bekämfung der Armut aus eigener Kraft.

"Die Grameen Otto Textile Company wird zeigen, dass es durchaus möglich ist, ökologische und soziale Kriterien mit ökonomischen Zielen in Einklang zu bringen. Sie soll Vorbild werden für die Textilproduktion in Bangladesch und für ähnliche Fabriken auf der ganzen Welt“, sagte Otto. Für die zweite Phase sei eine Erweiterung der Fabrik geplant. Auf lange Sicht sei eine Expansion in Bangladesch und in weitere Länder denkbar, berichtet die Welt. Dazu weitere Infos hier…

Anders als die bisherigen "Social Business Joint Ventures", die Yunus mit Unternehmen wie Danone, Veolia, Intel oder BASF zur Versorgung der lokalen Bevölkerung mit Nährstoffen, Trinkwasser oder technischen Diensten gegründet hat, wird die "Grameen Otto Textile Company" keine Produkte oder Dienstleistungen für die Armen anbieten. Stattdessen soll die Schaffung von bis zu 700 Arbeitsplätzen zur Armutsbekämpfung beitragen. Auch wenn die neue Otto-Tochter Yunus’ Social Business-Kriterien (soziales Ziel, profitables Geschäftsmodell, keine Dividenden) erfüllen soll, werden die Grenzen zum klassischen "Fair Trade"-Modell damit fließend. Fair Trade 2.0?

Quelle: Welt Online (11.11.2009)

Wenn man dem  “Business Standard” glauben schenken darf, will Danone in Südasien weiter wachsen. Seit 2006 produziert der französische Nahrungsmittelkonzern gemeinsam mit der “Grameen Bank” Joghurt für Arme in Bangladesch.  Dabei wollen die Investoren der “Grameen Danone Food Ltd.” langfristig auf die Ausschüttung von Gewinnen verzichten. So will es Yunus’ “Social Business”-Konzept.

Dieses Abkommen schließt natürlich nicht aus, dass Danone die in Bangladesch erworbenen Marktkenntnisse mittelfristig gewinnbringend einsetzt. Zum Beispiel im Nachbarland Indien. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… (-;

Wenn auch etwas unübersichtlich in der Aufmachung, ist die kürzlich veröffentlichte Online-Plattform “ClearlySo” eine tolle Fundgrube für alle Fragen und Themen rund um hybride Unternehmensformen – d.h. profiorientierte Unternehmen, die soziale und / oder ökologische Ziele in ihrem Kerngeschäft verankert haben. Stichwort “double or triple bottom line”. Ein klassisches Beispiel für ein solch hybrides Unternehmen wäre der “Body Shop”.

Anders als Muhammad Yunus verstehen die Betreiber dieser Plattform “Social Business” bewusst nicht als “non-loss, non-dividend business”. Im Gegenteil:  Die Ausschüttung von Dividenden gehört für sie zu den notwendigen Voraussetzungen für den Zugang zu Investitionen und weiteres Wachstum.

Help_Group Auch in Deutschland findet Muhammad Yunus kreative Nachahmer: Inspiriert durch das Engagement des Friedensnobelpreisträgers hat der deutsche Unternehmer Harald Meurer Anfang 2009 die HelpGroup GmbH gegründet. Ein "Social Business" im Yunus’schen Sinne. Erklärtes Ziel der HelpGroup ist die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die das Spendenaufkommen für ausgewählte Hilfsorganisationen in die Höhe treiben. Meurer will mehr Menschen dazu motivieren Hilfsprojekte zu fördern. Dazu will er sie an Orten erreichen, an denen sie bisher nicht an Spenden gedacht haben: Beim Einkaufen im Supermarkt oder beim Tanken.  Der Clou dabei sind neue Spendenkanäle und Produkte: Soziale Geschenkkarten , Wechselgeldspenden, Hilfs-Coupons oder Kreditkarten mit Provisionen für Hilfsprojekte.Help Group

Quelle: Website der HelpGroup GmbH

Das deutsche Chemie-Unternehmen BASF und der Gründer der Grameen Bank Muhammad Yunus aus Bangladesch haben jetzt das erste "Social Business" mit deutscher Beteiligung an den Start gebracht.  Ziele der "BASF Grameen Ltd." sind eine bessere Gesundheitsversorgung sowie der Aufbau von Erwerbsmöglichkeiten für Arme in Bangladesch. Dazu geht das neue "Social Business JV" mit zwei Produkten ins Rennen: Portionsbeutel mit Vitaminen und Spurenelementen als Nahrungsergänzung sowie beschichtete Moskitonetze als Schutz vor krankheitsübertragenden Insekten.

Ganz selbstlos ist der Einsatz der BASF allerdings nicht: "Unser Joint Venture mit seinem marktbasierten Ansatz wird langfristig dabei helfen, den sozialen Herausforderungen in Bangladesch zu begegnen. Zudem kann die BASF damit die Erschließung neuer Märkte und Kundengruppen erproben", sagt Dr. Jürgen Hambrecht, Vorsitzender des Vorstands der BASF SE.

Zumindest zeigt sich die BASF transparent darin, dass das "Social Business"-Engagement letztlich auch mittelfristige Wachstumsstrategie ist! Doch was auf den ersten (westlichen) Blick sinnvoll erscheint, könnte sich auf den zweiten Blick als (Armen nicht gerechter) "Top Down"-Ansatz entpuppen. Nach dem Motto: Die Armen sind mangelernährt – also brauchen sie Vitamintabletten. Die Frage ist, ob jemand der über weniger als 200 Taka (umgerechnet rund 2 Euro) Einkommen pro Tag verfügt, diese ausgerechnet für "Portionsbeutel mit Vitaminen und Spurenelementen als Nahrungsergänzung" ausgibt. Weitere Infos hier…

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