Dhaka. Noch steht der Begriff „Social Business“ in keinem Wirtschaftslexikon – und Gnade dem, der dieses amorphe Etwas definieren soll. Wer bestimmt eigentlich, was in der Wirtschaft sozial ist? „Sozial ist, was Arbeit schafft“, propagiert Kanzlerin Merkel. Muhammad Yunus pocht auf die Gemeinnützigkeit und sagt: „Social Business? It‘s not for me. It‘s for others!“ Und was sagt der Papst? Der glaubt, dass die Wirtschaft nach moralischen Gesichtspunkten organisiert werden müsse. Klingt einleuchtend, aber wer garantiert uns die Moral?
In Deutschland wird "Social Business" oft mit Yunus‘ Vision vom sozial motivierten Unternehmen (das profitabel wirtschaftet, aber keine Dividenden ausschüttet) in Verbindung gebracht. Trotzdem bleibt der Begriff interpretationsbedürftig. Was ich persönlich als sozial empfinde, müssen Menschen in einem Land wie Bangladesch noch längst nicht sozial finden. Was als sozial gilt, ist normen- und kontextabhängig. Genaugenommen ist auch Yunus flexibel in seiner Definition von "Social Business". Während er auf der einen Seite Dividendenverzicht fordert, erlaubt er mit Blick auf seine „Grameen Bank“ eine Ausnahme: Wenn sich Unternehmen im Besitz von Armen befinden, sind Profitorientierung und Dividenden seiner Ansicht nach okay.
So scheiden sich die Geister an der Frage der Dividenden. Aus Praxissicht geht diese Debatte jedoch am Ziel vorbei. Schließlich sind Unternehmen, die auf Dividenden verzichten, nicht automatisch sozialer als profitorientierte Unternehmen. Gute Intentionen produzieren noch lange keine positiven Ergebnisse. Wie sozial ein Unternehmen tatsächlich ist, sollte deshalb auch weniger an der Mission oder Dividendenpolitik, sondern an den Ergebnissen gemessen werden. Wie viele Leben hat ein Unternehmen nachhaltig verbessert?
Und was ist die Moral von der Geschicht’? Yunus’ Ansatz ist vor allem ein Plädoyer für die effiziente Nutzung philanthropischer Ressourcen – ein Anstoß zur Lösung gesellschaftlicher Probleme durch unternehmerisches Denken und Handeln. Letztlich geht es um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die einen Mehrwert für diejenigen schaffen, die bislang von den Märkten ausgeschlossen sind.
Source: kmh (Kommentar in der aktuellen Ausgabe von Enorm – Wirtschaft für den Menschen)